Mit der vierten Generation des C3 hat Citroën eine radikale Kurskorrektur vorgenommen. Er ist nicht mehr der rundgelutschte Kleinwagen von gestern, sondern ein kantiger „Mini-SUV“, der preislich frontal den Dacia Sandero und den Dacia Spring angreift. Die Strategie für 2026 ist klar: Elektromobilität für die breite Masse (ë-C3) und bezahlbare Verbrenner. Wir klären, ob der günstige Preis durch billiges Plastik erkauft wird oder ob der C3 das neue „Volks-Auto“ ist.
Karosserie & Alltag: Hartplastik trifft Wohnzimmer
Der neue C3 wächst in die Höhe (1,57 Meter), bleibt aber mit 4,01 Metern Länge stadttauglich kurz.
- Der IKEA-Faktor: Der Kofferraum fasst 310 Liter. Das ist ordentlicher Klassendurchschnitt (Dacia Sandero: 328 Liter), aber die Ladekante ist hoch. Positiv: Die Rückbank ist auch für Erwachsene nutzbar, da man durch die Fahrzeughöhe aufrechter sitzt.
- Innenraum-Realität (C-Zen Lounge): Citroën verzichtet auf ein klassisches Tacho-Display hinter dem Lenkrad. Stattdessen werden die Infos (Tempo, Reichweite) in eine schmale Leiste unter der Windschutzscheibe projiziert (eine Art Head-Up-Display). Der Kompromiss: Das sieht aufgeräumt aus, aber die Materialanmutung im Cockpit ist simpelstes Hartplastik. Um den Preis zu drücken, wurde überall gespart, wo man hinfassen kann. Es ist funktional, aber weit entfernt von „schick“.

Antrieb & Effizienz: LFP-Akku oder Kette?
ë-C3 (Der Preisbrecher)
Der elektrische C3 nutzt eine 44 kWh LFP-Batterie (Lithium-Eisen-Phosphat).
- Der Technik-Vorteil: LFP-Akkus sind extrem robust, langlebig und brennen kaum. Zudem dürfen sie bedenkenlos immer auf 100% geladen werden.
- Reichweite: WLTP verspricht 320 km. Im realen Stadtverkehr sind das machbare 260-280 km. Auf der Autobahn bei 120 km/h bricht die Reichweite aufgrund der Kastenform auf ca. 180 km ein.
- Laden: 100 kW DC-Laden klingt gut, aber die Ladekurve fällt schnell ab. Rechnen Sie mit ca. 35 Minuten für 20-80%.
1.2 Turbo (Der Verbrenner)
Der Benziner leistet 100 PS.
- Wichtig: Er nutzt (wie die Hybrid-Modelle im Konzern) nun eine Steuerkette statt des berüchtigten Zahnriemens im Ölbad. Das massive Zuverlässigkeitsrisiko der Vorgänger ist damit eliminiert.
- Verbrauch: Ein einfaches, ehrliches Auto. 5,5 bis 6,2 Liter sind realistisch.
Der Preis eines Fehlers (Lader-Wahl):
Achten Sie beim ë-C3 penibel auf die Ausstattung. Die Basis-Version kommt oft nur mit einem 7,4 kW On-Board-Charger (1-phasig).
Die Falle: An deutschen 11-kW-Wallboxen und öffentlichen Säulen lädt das Auto dann nur mit mickrigen 3,7 kW (Schieflastverordnung) oder 4,6 kW. Eine Vollladung dauert ewig.
Empfehlung: Zahlen Sie zwingend den Aufpreis (ca. 400 €) für den 11 kW On-Board-Charger (3-phasig). Das halbiert die Ladezeit an öffentlichen Säulen und macht das Auto erst alltagstauglich.
Fahrverhalten: Der fliegende Teppich
Hier spielt Citroën seine DNA aus. Serienmäßig ist die „Advanced Comfort Federung“ (hydraulische Anschläge) verbaut.
- Der Ingenieurs-Kompromiss (Komfort vs. Sport):Der C3 bügelt Schlaglöcher weg wie eine Mercedes S-Klasse. Es ist unfassbar, wie sanft dieses Billig-Auto federt.Der Preis: Das Auto wankt in Kurven wie ein Segelboot bei Sturm („Rollneigung“). Beim Bremsen taucht die Nase tief ein. Wer sportlich fahren will, wird seekrank. Wer entspannt gleiten will, wird es lieben.
Kosten & Wertverlust
Der ë-C3 startet (je nach Förderung und Markt) oft unter 24.000 €, der Verbrenner unter 15.000 €. Das ist eine Ansage.
- Konkurrenz: Ein VW ID.2 (wenn verfügbar) ist teurer. Der einzige echte Gegner ist Dacia.
- Ausstattung: Die Basis „You“ ist nackt (kein Radio-Screen, nur Smartphone-Halter). Die Version „Max“ bietet 10-Zoll-Touchscreen, Klimaautomatik und Rückfahrkamera und ist den Aufpreis wert.
Technische Daten (Vergleich)
Parameter | 1.2 Turbo (Benziner) | ë-C3 (Elektro) |
Leistung | 74 kW (100 PS) | 83 kW (113 PS) |
0-100 km/h | 10,6 s | ca. 11,0 s |
Batterie | – | 44 kWh (LFP) |
Reichweite (Real) | ca. 700 km | ca. 250 km (Mix) |
Höchstgeschwindigkeit | 183 km/h | 135 km/h (abgeregelt) |
Konkurrenz-Check
Modell | Stärke | Schwäche |
Dacia Sandero Stepway | Mehr Platz im Kofferraum, bewährte LPG-Option (Autogas) für Sparfüchse. | Fahrwerk deutlich polteriger, Sitze unbequemer. |
Dacia Spring (Neu) | Noch billiger, extrem wendig in der Stadt. | Kleinstwagen (viel enger), winziger Akku, Fahrverhalten unsicherer. |
Renault 5 E-Tech | Cooles Design, hochwertige Technik (Google), V2L. | Kostet ausstattungsbereinigt 5.000 – 8.000 € mehr. |
Klartext-Fazit:
Der Citroën C3 (2026) ist der Komfort-König der Discounter. Er fährt sich eine Klasse besser, als er aussieht.
Kaufen Sie den ë-C3, wenn Sie ein günstiges Elektroauto für Pendelstrecken und Stadtverkehr suchen und Langlebigkeit (LFP-Akku) über Prestige stellen.
Kaufen Sie den Verbrenner, wenn Sie für 15.000 € einen Neuwagen mit Garantie und Steuerkette suchen, der Schlaglöcher einfach ignoriert.
Meiden Sie den C3, wenn Sie Autobahn-Vielfahrer sind oder Wert auf „Soft-Touch“-Materialien legen. Hier wirkt alles wie aus dem Joghurtbecher gestanzt – aber ein sehr bequemer Joghurtbecher.
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