Ford Explorer (2026) im Klartext-Check

Wichtige Vorab-Klärung: Reden wir vom Ford Explorer?

  1. Der amerikanische Riese (PHEV): Ein 5-Meter-Schiff, Plug-in-Hybrid, 7 Sitze. Dieser läuft in Europa aus bzw. ist ein Nischenprodukt.
  2. Der neue Kölner (Elektro): Ein 4,47-Meter-SUV, rein elektrisch, 5 Sitze. Dieser Test behandelt den neuen elektrischen Explorer (Modelljahr 2026), der in Köln gebaut wird und auf der Technik des VW ID.4 basiert. Er ist Fords wichtigstes Auto, um im E-Zeitalter zu überleben. Die Frage lautet: Ist er nur ein VW mit Cowboy-Hut, oder hat Ford die Wolfsburger Technik verbessert?

Karosserie & Alltag: Amerikanischer Look, deutsche Technik

Der Explorer nutzt die MEB-Plattform von VW. Das bedeutet: Unter dem Blech ist er ein ID.4. Aber Ford hat das Design komplett geändert. Er sieht bullig, kantig und stolz aus („Adventure Look“).

  • Der „SYNC Move“-Trick: Das Highlight im Innenraum ist der 14,6-Zoll-Touchscreen.
    • Die Funktion: Er lässt sich manuell in der Neigung verstellen (steil oder flach).
    • Der Clou („My Private Locker“): Wenn Sie den Bildschirm ganz nach unten schieben, verriegelt er ein dahinterliegendes Staufach („My Private Locker“). Perfekt für Wertsachen, wenn das Auto geparkt ist. Das hat VW nicht.
  • Der IKEA-Faktor (Das Platz-Problem): Da der Explorer mit 4,47 Metern etwas kürzer ist als ein ID.4 (4,58 m), fehlt es im Kofferraum.
    • Volumen: 450 bis 1.422 Liter. Das ist okay, aber ein ID.4 schluckt fast 100 Liter mehr.
    • Frunk: Wie beim VW-Bruder gibt es keinen Frunk unter der Fronthaube. Das Ladekabel muss also nach hinten.
  • Material: Ford verbaut eine Art „Soundbar“ auf dem Armaturenbrett. Das sieht schick aus. Die Materialien wirken robuster und weniger steril als im VW. Aber auch hier findet sich im unteren Bereich viel Hartplastik.

Antrieb & Effizienz: VW-Power, Ford-Abstimmung

Ford hat den Start des Explorer verschoben, um direkt die neue Batterie- und Motorengeneration (APP550) von VW zu nutzen.

Extended Range RWD (Die Empfehlung)

Heckantrieb, 210 kW (286 PS).

  • Fahrleistungen: 0-100 km/h in 6,4 Sekunden. Der Antritt ist souverän.
  • Reichweite: Mit der 77 kWh Batterie sind real 400 bis 480 km drin (WLTP: ca. 600 km).
  • Laden: Er lädt mit bis zu 135 kW (Standard Range) oder 170+ kW (Extended Range). Die Ladekurve ist stabil, 10-80% dauern ca. 28 Minuten.

Extended Range AWD (Der Sportler)

Allrad, 250 kW (340 PS).

  • Urteil: Er zieht besser (Anhängelast bis 1.200 kg, RWD oft nur 1.000 kg), verbraucht aber mehr. Für Flachland-Tiroler unnötig.

Der Ingenieurs-Kompromiss (VW-Erbe):

Ford musste Teile der VW-Plattform übernehmen, die unbeliebt sind.

Die Fensterheber-Falle: In der Fahrertür gibt es nur zwei Tasten für die Fensterheber und einen Touch-Knopf („Rear“), um auf die hinteren Fenster umzuschalten.

Die Realität: Wer schnell das hintere Fenster öffnen will (z.B. für den Hund), drückt oft daneben oder vergisst das Umschalten und öffnet stattdessen sein eigenes Fenster. Eine Sparmaßnahme von VW, die Ford leider geerbt hat.

Fahrverhalten: Ford kann Fahrwerk

Hier unterscheidet sich der Explorer vom ID.4. Ford hat Dämpfer, Federn und Lenkung neu abgestimmt.

  • Charakter: Er fährt sich verbindlicher und etwas straffer als der sänftenartige VW. Die Lenkung ist direkter.
  • Wendekreis: Dank Heckantrieb (bei RWD) ist der Wendekreis mit ca. 10,2 Metern sensationell klein. Das bullige SUV wendet fast auf der Stelle.

Kosten & Wertverlust

Ford positioniert den Explorer preislich oft unter dem VW ID.4, um Marktanteile zu gewinnen. Ein gut ausgestatteter Explorer („Premium“) liegt bei ca. 48.000 – 52.000 €.

  • Garantie: Ford bietet standardmäßig 2 Jahre, aber oft sind 5 Jahre Garantie (Ford Protect) verhandelbar oder im Aktionspaket enthalten. Darauf sollten Sie bestehen.
  • Wertverlust: Da es ein ganz neues Modell ist, ist die Prognose schwierig. Da die Technik (MEB) aber millionenfach bewährt ist und Ersatzteile (VW-Gleichteile) verfügbar sind, ist das Risiko geringer als bei Exoten wie Fisker oder Aiways.

Technische Daten (Vergleich)

Parameter
Explorer Standard Range RWD
Explorer Extended Range RWD
Explorer Extended Range AWD
Leistung
125 kW (170 PS)
210 kW (286 PS)
250 kW (340 PS)
Batterie (netto)
52 kWh
77 kWh
79 kWh
Reichweite (Real)
ca. 280 km
ca. 440 km
ca. 400 km
Laden (10-80%)
ca. 28 Min.
ca. 28 Min.
ca. 26 Min.
Kofferraum
450 l
450 l
450 l

Konkurrenz-Check

Modell
Stärke
Schwäche
VW ID.4
Mehr Kofferraum (543 l), Software-Updates kommen oft früher (Mutterkonzern).
Design („Seifenstück“) polarisiert, Bedienung (Touch-Lenkrad) teils nerviger.
Tesla Model Y
Platzwunder, Supercharger, App-Konnektivität ungeschlagen.
Fahrwerk polteriger, kein Tacho hinter Lenkrad, wird oft als „Einheitsbrei“ gesehen.
Volvo EX40 (XC40)
Premium-Image, Google-Infotainment, sehr sicher.
Hoher Verbrauch (Kastenform), lädt langsamer als die neuen MEB-Modelle.

Klartext-Fazit:

Der Ford Explorer (2026) ist der coolere Zwilling des VW ID.4. Er sieht besser aus, fährt sich etwas knackiger und hat mit dem verstellbaren Screen ein echtes Highlight.

Kaufen Sie ihn, wenn Sie VW-Technik wollen, aber das VW-Design langweilig finden.

Wählen Sie den „Extended Range RWD“. Er bietet die beste Balance aus Preis, Reichweite und Leistung.

Meiden Sie ihn, wenn Sie maximalen Kofferraum brauchen – hier bietet der ID.4 oder das Tesla Model Y spürbar mehr Liter für das gleiche Geld.

Seien Sie sich bewusst: Die Fensterheber-Bedienung wird Sie jeden Tag nerven. Daran ändert auch das Ford-Logo nichts.

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Author: Redaktion
Seit 2017 auf die Automobilwelt spezialisiert, erstellt dieser Autor Online-Inhalte mit Schwerpunkt auf Auto-Nachrichten. Sein fundiertes Wissen und seine Erfahrung fließen in relevante und zuverlässige Artikel für das Portal Auto-klartext.de ein.