Der VW ID.4 ist der „Golf des Elektrozeitalters“: Er will niemanden verschrecken, bietet viel Platz und soll der rationale Alles-Könner sein. Nach einem stolpernden Start mit Software-Desastern hat VW das Modell massiv überarbeitet. Im Modelljahr 2026 profitieren Käufer vom großen Technik-Update (eingeführt Ende 2023/24) mit dem neuen APP550-Motor und der Software-Generation 4.0/5.0. Ist er damit endlich auf Augenhöhe mit Tesla und Hyundai, oder zahlt man immer noch den „Wolfsburg-Aufschlag“ für durchschnittliche Technik?
Karosserie & Alltag: Platzwunder ohne Frunk
Der ID.4 nutzt die MEB-Plattform perfekt aus. Auf 4,58 Metern Außenlänge bietet er innen fast Passat-Niveau.
- Der IKEA-Faktor: Der Kofferraum schluckt 543 bis 1.575 Liter. Die Form ist quadratisch und gut nutzbar. Die Kritik: Im Gegensatz zu Tesla oder Volvo bietet der ID.4 keinen Frunk (Kofferraum vorne). Das Ladekabel fliegt also entweder im vollen Kofferraum herum oder muss unter den doppelten Boden gefummelt werden. Das ist bei einem reinen Elektroauto verschenkter Platz.
- Bedienung (Endlich beleuchtet): Das größte Ärgernis der ersten Jahre wurde behoben: Die Touch-Slider für Lautstärke und Temperatur unter dem Bildschirm sind nun beleuchtet. Nachtfahrten sind kein Blindflug mehr. Das Lenkrad-Problem: Leider hält der ID.4 (im Gegensatz zum neuen Tiguan) oft noch an den kapazitiven Touch-Flächen am Lenkrad fest. Wer beim Rangieren den Handballen auflegt, verstellt versehentlich den Radiosender oder den Tempomaten.

Antrieb & Effizienz: Der APP550 rettet die Ehre
Mit dem Modelljahr-Update wurde der alte, träge 150-kW-Motor durch den neuen APP550 an der Hinterachse ersetzt. Das verändert den Charakter des Autos komplett.
ID.4 Pro (Die Vernunft-Wahl)
Leistung: 210 kW (286 PS) und satte 545 Nm Drehmoment.
- Fahrleistungen: Der Antritt ist nun souverän (0-100 in 6,7 s). Vor allem der Durchzug beim Überholen auf der Landstraße ist massiv verbessert.
- Effizienz: Der neue Motor ist effizienter. Mit der 77 kWh Batterie sind im Sommer echte 400 bis 450 km drin (WLTP: bis 550 km). Im Winter bei Autobahntempo rechnen Sie mit 300 bis 330 km.
- Laden: Die Ladeleistung wurde auf bis zu 175 kW (Peak) angehoben. Wichtiger: Das Batterie-Vorkonditionieren (Aufwärmen des Akkus vor dem Laden) funktioniert nun automatisch per Navi oder manuell per Knopfdruck. Damit laden Sie auch im Winter schnell.
ID.4 Pure (Das Einstiegsmodell)
Kleine 52 kWh Batterie, 170 PS.
- Urteil: Nur für reine Stadt-Nutzer oder Zweitwagen-Käufer. Die Reichweite (real ca. 200-250 km) schränkt die Nutzung als Erstwagen zu stark ein.
Der Ingenieurs-Kompromiss (Trommelbremsen):
VW verbaut an der Hinterachse Trommelbremsen statt Scheibenbremsen.
Die Logik: E-Autos bremsen zu 90% elektrisch (Rekuperation). Scheibenbremsen hinten würden durch Nicht-Benutzung verrosten. Trommeln sind ein geschlossenes System, korrosionsfrei und wartungsarm.
Der Nachteil: Es sieht bei einem 50.000-Euro-Auto mit 21-Zoll-Felgen billig aus. Und: Bei extrem sportlicher Passabfahrt (mit vollem Akku, also ohne Rekuperation) neigen Trommeln eher zu Fading (Nachlassen der Bremskraft) als belüftete Scheiben – im Alltag jedoch irrelevant.
Fahrverhalten: Der Wendekreis-König
Hier spielt der Heckantrieb (bei den Modellen Pro und Pure) seine Stärke aus.
- Manövrierbarkeit: Da vorne keine Antriebswellen stören, können die Räder weit einschlagen. Der Wendekreis liegt bei sensationellen 10,2 Metern. Damit wendet der SUV so leichtfüßig wie ein VW Polo.
- Komfort: Das Fahrwerk ist VW-typisch ausgewogen. Mit dem optionalen DCC (adaptive Dämpfer) bügelt er alles weg. Er ist komfortabler als ein Tesla Model Y, aber weniger sportlich.
Der Preis eines Fehlers (Software-Version):
Wenn Sie einen gebrauchten ID.4 kaufen (Modelljahre 2021-2023), erhalten Sie oft die alte Hardware (Infotainment). Diese ist träge, ruckelt und erhält keine großen Updates mehr.
Die Empfehlung: Achten Sie zwingend darauf, ein Modell mit Software 4.0 (oder neuer) und dem großen 12,9-Zoll-Display zu kaufen. Das garantiert, dass der neue, schnellere Computer verbaut ist. Der Unterschied in der Bedienung ist Tag und Nacht.
Kosten & Wertverlust
Der ID.4 steht unter massivem Druck durch das Tesla Model Y und chinesische Konkurrenten.
- Rabatte: VW muss oft mit Aktionsmodellen (z.B. „Goal“, „Move“) arbeiten, um den Preis attraktiv zu halten. Der Listenpreis ist oft Makulatur.
- Wartung: Günstig. VW schreibt keine festen jährlichen Intervalle vor (oft 2 Jahre), und der Verschleiß ist dank Trommelbremsen und Rekuperation minimal.
Technische Daten (Vergleich)
Parameter | ID.4 Pure (52 kWh) | ID.4 Pro (77 kWh) | ID.4 GTX (AWD) |
Leistung | 125 kW (170 PS) | 210 kW (286 PS) | 250 kW (340 PS) |
Drehmoment | 310 Nm | 545 Nm | 545 Nm + Frontmotor |
0-100 km/h | 9,0 s | 6,7 s | 5,4 s |
Ladeleistung (DC) | max. 145 kW | max. 175 kW | max. 175 kW |
Reichweite (Real) | ca. 230 km | ca. 420 km | ca. 380 km |
Frunk | Nein | Nein | Nein |
Konkurrenz-Check
Modell | Stärke | Schwäche |
Tesla Model Y | Unschlagbares Platzangebot (riesiger Frunk & Kofferraum), Supercharger-Netz, App. | Fahrwerk straffer/polteriger, kein Tacho hinter dem Lenkrad, Bedienung nur Touch. |
Hyundai Ioniq 5 | 800V-Laden (viel schneller), cooles Design, verschiebbare Rückbank. | Kofferraum flacher, Verbrauch bei hohem Tempo etwas höher. |
Ford Explorer (EV) | Basiert auf ID.4-Technik, sieht aber bulliger aus, neueres Infotainment-Konzept. | Technisch ein VW-Zwilling, Platzangebot ähnlich. |
Klartext-Fazit:
Der VW ID.4 (2026) ist endlich das Auto, das er von Anfang an hätte sein sollen. Mit dem neuen Motor (APP550) und der stabilen Software ist er eine sichere Bank für Familien.
Kaufen Sie den ID.4 Pro, wenn Sie Komfort, einen kleinen Wendekreis und ein dichtes Werkstattnetz schätzen.
Meiden Sie den ID.4 Pure, wenn Sie auch nur einmal im Jahr in den Urlaub fahren wollen.
Der entscheidende Tipp: Vergleichen Sie die Leasingrate immer mit dem Tesla Model Y. Der Tesla bietet mehr Platz und Tech für oft weniger Geld – der VW punktet „nur“ mit besserem Fahrwerk und klassischerem Service.
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